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Women in Data: Darum wird Elisabeth Data Analystin

Inhaltsverzeichnis

Die Datenbranche braucht Dich! Auf diesen Aufruf des „Women in Data“-Stipendiums bewarben sich über 120 Frauen. 50 von ihnen erhielten einen der begehrten Stipendiumsplätze für die Data Analyst-Weiterbildung bei StackFuel. Und leider stimmt es: Die Datenbranche ist noch immer überwiegend männlich. Gerade einmal ein Sechstel der Datenexpert:innen ist weiblich, mit negativen Auswirkungen auf Wirtschaft, Entwicklung und Forschung. Die Coronakrise hat vor allem Frauen in ihrem beruflichen Vorankommen beeinträchtigt. Genau hier sollte sich das Stipendium von StackFuel und Telefónica positiv auswirken und Frauen für Datenberufe qualifizieren und mit Datenskills für die Zukunft fit zu machen. 

Elisabeth ist eine von 50 Gewinnerinnen, dabei hätte sie sich beinahe gar nicht beworben. Eine nette E-Mail gab für sie den Ausschlag, sich eine Bewerbung zuzutrauen und sich beruflich weiterzuentwickeln. Im gemeinsamen Interview hat sie uns erzählt, welche Glaubenssätze sie dazu erst überwinden musste, warum sie sich auf die Arbeit mit Daten freut und wieso sie sich mehr mutige Frauen in der Datenbranche wünscht. 

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Stipendiums! Was kannst Du uns über Dich persönlich erzählen?

Vielen Dank! Mein Name ist Elisabeth Eder-Koschar. Ich wohne mit meinem Mann und unseren zwei Töchtern in Graz, im Süden Österreichs. Ich freue mich sehr eine der 50 Frauen sein zu dürfen, die ein „Women in Data“-Stipendium zum Thema Data Analytics mit Fokus auf Python absolvieren. Aktuell befinde ich mich in einer beruflichen Neuorientierungsphase. Ich habe vor genau 20 Jahren mein Studium auf der Fachhochschule Joanneum in Graz im Bereich Bau, Planung und Bau-Management abgeschlossen. Nach einem kurzen Jahr in Graz bin ich nach Wien und dann nach Budapest gewechselt, wo ich stellvertretend für einen österreichischen Baukonzern eine Niederlassung für Umwelttechnik und Abfallwirtschaft aufgebaut habe. Aus privaten Gründen bin ich einige Zeit später wieder nach Graz zurückgekehrt und habe EU-Projekte im Bereich erneuerbare Energien und thermische Gebäudesanierung geleitet. Gleichzeitig habe ich die Redaktion der Fachzeitschrift dieses Instituts geleitet.  

Nachdem mein Mann und ich zwei Kinder bekommen haben, bin ich in eine kleine Immobilienverwaltung in Graz gewechselt, wo ich die Immobilienverwaltung und Wohnrecht von der Pike auf lernen konnte. Als sich das Unternehmen vergrößert hat, habe ich das operative Management und das gesamte Personalwesen inklusive Personalentwicklung übernommen und zum Schluss die kaufmännische Abteilung und Buchhaltung geleitet. Das war auch ein schwieriger Weg gewesen und wenn ich es nochmal machen könnte, würde ich es ein wenig langsamer angehen, aber alles genau so wieder machen. Mein persönlicher Werdegang war schon immer geprägt von meinen persönlichen Visionen. Und ich habe zum Glück alles erreichen können, was ich mir vorgestellt habe. Auf diesem Weg bin ich oft an meine Grenzen gestoßen, weil ich einerseits die perfekte Mutter und eine gute Ehefrau sein wollte, ohne dabei meine Karriere zu vernachlässigen. Besonders als Mutter ist man stark gefordert, jeden Tag flexibel zu sein, schnell zu lernen und zu reagieren. Dieses reaktive Verhalten nimmt man dann auch ins Büro mit. Jetzt habe ich mich dazu entschlossen, dem Bauwesen und der Immobilienbranche den Rücken zu kehren und mich in neuen Technologien fortzubilden und dort hoffentlich auch Fuß zu fassen. 

Wie hast Du die Jahre 2020 und 2021 erlebt und was hat sich in dieser Zeit für Dich verändert? 

Ich habe bereits im Januar 2020 beschlossen, dass ich ab dem Sommer für ein Jahr in Bildungskarenz gehen würde. Das ist in Österreich eine Möglichkeit, während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses sich für ein Jahr unbezahlt freistellen zu lassen und dabei staatlich unterstützt zu werden. Dabei kann man eine Ausbildung machen, die man dann allerdings selbst finanzieren muss. Diese Möglichkeit habe ich für einen einjährigen Lehrgang in Coaching und Social Competence genutzt.  

Der Lockdown selbst war für mich und meine Familie im positiven Sinne ein Abenteuer. Wir haben als ganze Familie ein Modell ausprobiert, in dem alle Zeitstrukturen aufgehoben waren. Jeder konnte seinen Tag nach seinem eigenen Biorhythmus gestellten. Da haben sich die interessantesten Gewohnheiten oder Vorlieben gezeigt. Nach einem Monat haben wir dann doch wieder Struktur reingebracht und einen gemeinsamen Plan entwickelt, der für alle funktioniert hat. Ein Game Changer war für mich die Reduktion der Möglichkeiten, weil ich so wirklich in mich gehen konnte und mir überlegt habe, was ich für die Zeit nach dem Lockdown mitnehmen will und was ich für immer zurücklassen möchte? Das war eine Zeit der großen Erkenntnisse. 

Sind Dir bereits andere Hürden im Leben begegnet, die Du überwinden konntest? 

Meine größten Hürden waren in meiner Art zu denken. Ich habe meine Entscheidungen immer auf die Akzeptanz meines engsten Umfeldes abgestimmt und mich schnell einschüchtern lassen. Das war schwer abzulegen. Was ich an unserer heutigen Zeit so wunderbar finde, sind die fast unendlichen Möglichkeiten, die das Internet bietet. Statt nur das eigene Umfeld zu Rate zu ziehen, kann man heute selbst recherchieren und sich ein eigenes Bild machen. Ich habe im letzten Jahr ein Coaching in Anspruch genommen, das mir meine Denkmuster aufgezeigt hat. Seitdem arbeite ich daran, irgendwann in meinen Entscheidungen selbstbestimmter zu sein, aber der Weg dorthin muss auch zu mir passen. 

Der beste Berater bei Entscheidungen sind bekanntlich Daten. Woher kommt eigentlich Dein Interesse für die Arbeit mit Daten und neuen Technologien? 

Mein Interesse für die Arbeit mit Daten war irgendwie schon immer da, auch wenn mir das nicht so bewusst war. Als das Onlinebanking aufkam und ich mein erstes Gehalt bekommen habe, habe ich meine Einnahmen und Ausgaben in Excel importiert und kontrolliert, um einen Überblick darüber zu haben, wie viel Budget noch zur Verfügung steht oder wie lang ich für eine Anschaffung sparen muss. Für mich war es das Normalste auf der Welt und die Daten sind ja schließlich da. Mir hat das immer ein Gefühl von Sicherheit gegeben und eine Diskussionsgrundlage. So gesehen ist mein Interesse für die für Daten angeboren. 

Women in Data: Wie der Quereinstieg als Data Analyst:in gelingt und was Du dafür brauchst? Wir haben unsere Stipendiatin Elisabeth gefragt. Lies das gemeinsame Interview.

Eine super Voraussetzung! Wie bist Du auf das „Women in Data“-Stipendium aufmerksam geworden? 

Ich bin auf das Stipendium zufällig über einen LinkedIn-Beitrag gestoßen. Erst habe ich mir nicht viel darunter vorstellen können, aber der Slogan „Women in Data“ hat mich sehr angesprochen. Als ich mir dann selbst ein Bild gemacht habe, was das Stipendium und Data Analytics beinhaltet, war ich total überzeugt. Die Aussicht etwas Neues zu lernen, hat mich sehr gereizt. Mir war außerdem wichtig sagen zu können, ich bin 45 und mach jetzt was Neues, das mich wirklich interessiert. Es ist trotzdem keine Entscheidung fürs Leben. Man sollte sich selbst die Freiheit geben, auszuprobieren, ohne zwingend dieser Richtung folgen zu müssen. Ich habe dann den Eignungstest gemacht und den Test um nur wenige Prozentpunkte nicht bestanden. Da dachte, ich erst, das war es dann wohl und dass ich wohl doch nicht geeignet wäre. Aber dann habe ich eine nette E-Mail von StackFuel bekommen, dass ich es bitte noch einmal versuchen soll. Und beim zweiten Anlauf hat es dann doch geklappt. Man sollte sich wirklich nicht entmutigen lassen, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Ich bin sehr froh, dass die E-Mail mich davon überzeugt hat, es nochmal zu versuchen. 

Welche Veränderung erhoffst du dir für dein (Berufs)Leben durch die Teilnahme? 

Nachdem ich meinen Job in einer sehr traditionellen Immobilienverwaltung beendet hatte, habe ich mich in einer für mich neuen, digitalisierten Welt wiedergefunden. Ich war kurz geschockt, so einen Rückstand zu haben und habe mich gleich daran gemacht, den wieder aufzuholen. Das ist dank Internet heute zum Glück kein Problem. Ich lerne für mein Leben gern, in mir steckt einfach eine kleine Detektivin. Ich erhoffe mir, mit dem neuen Wissen einen Beitrag leisten zu können, dass meine Talente wirklich gebraucht werden und dass ich das machen kann, was mir Freude und Spaß bereitet. 

Hast Du trotzdem auch Berührungsängste in Bezug auf Daten, Programmierung, Mathematik? 

Ich bin in einem mathematikfreundlichen Umfeld aufgewachsen. Meine Mutter war Volksschullehrerin (Grundschullehrerin), und mein Vater Mathematikprofessor. Deshalb haben mir meine Eltern nie Ängste vor Mathematik eingeredet, im Gegenteil, ich wurde gefühlt sogar zu viel unterstützt. „Ich kann nicht“, bedeutet oft einfach, dass kein Interesse vorherrscht oder der Lehrer es nicht so vermittelt, wie man es bräuchte. Aber wenn man etwas wirklich möchte, findet man einen Weg es zu verstehen. Ich habe mit 20 angefangen Ungarisch zu lernen. Da fängt man mit fünf Vokabeln an. Damit kann man zwar noch kein Buch lesen, aber mit 200 Vokabeln kann man schon erahnen, worum sich die Handlung dreht. Man hat immer Angst vor Neuem und darf nicht davon ausgehen, dass man nach kurzer Zeit genauso gut ist wie andere, mit denen man sich vergleicht. Man braucht die Motivation und eine Wunschvorstellung, wo man hinwill, dann kann man die größten Berge erklimmen.

Welche Gründe halten Deiner Meinung nach anderen Frauen noch zurück, sich im Bereich Daten weiterbilden zu lassen? 

Die Antwort ist für jede Frau sehr individuell. Für mich hängt das hauptsächlich vom familiären Hintergrund ab und davon, wie dort bestimmte Faktoren bewertet wurden. Jeder muss sich nach seiner Schulausbildung sich für einen weiteren Bildungsweg entscheiden, aber nur weil eine Frau einen eher weiblichen Berufsweg wählt, heißt das nicht, dass sie nicht auch innerhalb ihres Berufs immer wieder in organisatorische, kaufmännische oder strategische Tätigkeiten eingebunden werden kann. Wenn ihr diese Aufgaben dann Freude machen, kann man davon ausgehen, dass bei ihr eine Begabung hinsichtlich Analyse oder strategischem Denken vorliegt.  

Man muss nicht von Vornherein in einen technischen Beruf gehen, um seine Talente auszutesten. Ich würde Frauen raten, dass sie vor allem offen sind für andere Berufe und neue Aufgabenfelder, sofern sie mit ihrem aktuellen Beruf nicht zufrieden sind oder ihn nicht mehr erfüllend finden. Oft hat man eine falsche Vorstellung von einem Beruf, bis man jemanden fragt, wie sein Arbeitsalltag wirklich aussieht. Das gilt ganz besonders für Berufe, mit denen man nur wenig in Berührung kommt oder hinsichtlich derer man sogar Berührungsängste hat.  

Unsere Großmütter und Mütter haben durch ihre konsequenten Anstrengungen erreicht, dass es in Europa das Gleichbehandlungsgesetz gibt. Trotzdem fällt mir im Gespräch mit anderen Frauen und bei mir selbst immer wieder auf, dass wir die Einhaltung dieses Gesetzes von den Arbeitgeber:innen gar nicht einfordern. Das Gleichbehandlungsgesetz gibt vor, dass es für gleiche Arbeit, das gleiche Gehalt gibt. Wir überprüfen aber nicht, ob das eingehalten wird und begründen es damit als Mütter überhaupt dankbar sein zu müssen, einen Job zu haben. Als Mutter, wo man wirtschaftlich so verletzbar ist, ist man durch diese Einstellung stark benachteiligt.  

Man sollte sich deshalb bewusst machen, was das eigentlich heißt, gleiches Geld für gleiche Arbeit zu erhalten, dies dann auch erwarten und im schlimmsten Falle auch einfordern. Dafür sind Gesetze da. Genau so selbstverständlich wie wir von Autofahrern erwarten können, dass sie sich an die Verkehrsregeln halten, so müssten wir auch unsere Arbeitsverträge dem Gleichbehandlungsgesetz entsprechend gestalten. Das funktioniert aber nur, wenn sich möglichst viele Frauen diese Einstellung zu eigen machen und sagen: „Ich akzeptiere nur Arbeitgeber:innen und damit Vertragspartner:innen, die sich an geltende Gesetze halten und auch ich möchte mich an diese Gesetze halten.“ Wir müssen raus aus einer “Bittsteller”-Position und einfach das nutzen, einfordern und erwarten, wofür unsere Vorfahr:innen gekämpft haben. Darum brauchen wir heute nicht mehr bitten, sondern nur noch die Tatsache nutzen, dass uns die meisten Wege schon freigeräumt wurden. Was wir daraus machen, liegt an uns selbst.

Dein Einstieg als Data Analyst:in

Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Frauen dieselben Chancen auf eine Karriere als Data Analystin haben sollten. Ob Du glaubst, benachteiligt zu sein oder nicht, ob Du Dich bereits beruflich in einem datennahen Umfeld bewegst oder als Quereinsteigerin Deine Karriere neustartest – bei uns bekommst Du die Chance Deine Daten-Skills zu schärfen und Deinen Karriereweg zu gestalten. 

Derzeit ist noch keine Neuauflage des Stipendiums angekündigt, aber auf unseren Social Media Accounts auf LinkedInInstagramFacebook und Xing erfährst Du als Erste:r über neue Events, Stipendien und andere tolle Aktionen und Inhalte.  

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Laura Redlich
Laura Redlich
Als waschechte Berlinerin hat sich Laura schnell der Kreativ- und Start-up-Szene angeschlossen. Nach ihrem Studium in Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mediadesign – Hochschule für Design und Informatik, war Laura bereits als Redakteurin bei IQPC tätig, wo sie die Bereiche Finance, Tech, Data und AI verantwortete und bekannte Vorreiter der Branche auf Kongressen interviewte. Bei StackFuel baut Laura das Content Lab – unser vielseitiges Angebot an kostenlosen Inhalten, Webinaren und Veröffentlichungen – stetig aus.

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