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Qualifizierungsgeld: Das bedeutet die neue Weiterbildungsstrategie der Bundesregierung

Inhaltsverzeichnis

Am Dienstag, den 27.09.2022, kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) die neue Weiterbildungsstrategie der Bundesregierung an. Sie soll unter anderem digitale Weiterbildung stärken und sieht Maßnahmen wie die Einführung einer Bildungszeit und eines Qualifizierungsgeldes vor. Was beides bedeutet, erklären wir Dir im Artikel.

Auch wenn zu der Initiative noch kein Gesetzesentwurf existiert, soll die Umsetzung bereits im kommenden Jahr beginnen. Das Ziel der neuen Strategie ist es unter anderem, die Weiterbildungsbeteiligung um 65 Prozent zu steigern und damit der Zielvorgabe der EU-2023-Strategie zu entsprechen.

Der entsprechende Gesetzesentwurf soll bis zum Jahresende eingereicht werden. Doch was bedeuten die Neuerungen für Arbeitnehmende, Unternehmen und Arbeitssuchende mit einem Weiterbildungsbedarf?

Das Wichtigste in Kürze

Das sind die wichtigsten Eckpunkte der neuen Weiterbildungsstrategie.

  • Eine neue Online-Weiterbildungsplattform (Now) soll bis 2024 entwickelt werden
  • Beschäftigte haben ein Recht auf Bildungszeit oder Bildungsteilzeit
  • Ein Qualifizierungsgeld soll eingeführt werden
  • Digitale Weiterbildungsangebote gewinnen an Wichtigkeit für den deutschen Arbeitsmarkt
  • Der Zugang zu beruflicher Weiterbildung soll vereinfacht werden
  • Lebenslanges Lernen soll gefördert werden, um Betriebe im digitalen Wandel zu unterstützen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Was ist das Qualifizierungsgeld?

Das Qualifizierungsgeld, auch Transformationskurzarbeitergeld genannt, ist ein Fördermittel, das an das Kurzarbeitergeld angelehnt ist. Das Qualifizierungsgeld dient der Stärkung von Unternehmen und Arbeitnehmenden, die von der (digitalen) Transformation betroffen sind.

Was ist die Bildungszeit bzw. die Bildungsteilzeit?

Die Bildungszeit oder Bildungsteilzeit kann am ehesten mit der österreichischen Bildungskarenz verglichen werden. Diese soll zukünftig zwischen Arbeitgebendem und Arbeitnehmendem vereinbart werden können und ermöglicht damit Beschäftigten eine öffentlich geförderte Auszeit für ihre berufliche Weiterbildung.

Das bedeutet die Weiterbildungsstrategie für Beschäftigte

Auf große Vorteile dürfen sich besonders Arbeitnehmende freuen. Viele Unternehmen befinden sich im Wandel. Dementsprechend steigt auch der Wunsch von Arbeitnehmenden, sich weiterzubilden und ihre Fähigkeiten an New Work und den technologischen Fortschritten anzugleichen. Bereits 2019 führte „Weiterbildung“ die Liste an Erwartungen an, die Beschäftigte an ihre Arbeitgebende haben.

Beschäftigte sollen mit einer Bildungszeit- und Bildungsteilzeitmöglichkeit sowie dem Qualifizierungsgeld emanzipiert werden. Auf diese Weise können diese sich weiterqualifizieren oder sogar einen Berufswechsel vorbereiten. Ein Beispiel: Wenn jemand der zuvor im Rechnungswesen gearbeitet hat, nun im Bereich Business Intelligence arbeiten möchte und einen Quereinstieg plant, kommt eine berufsbegleitende Weiterbildung infrage.

Die Entwicklungen sollen das lebenslange Lernen fördern und Arbeitnehmende unterstützen, sich an verändernde Arbeitsmarktbedingungen flexibler anpassen zu können.

Das bedeutet die Weiterbildungsstrategie für Unternehmen

Viele Betriebe sind von der digitalen Transformation betroffen und leiden auch in nicht digitalen Bereichen unter dem immensen Fachkräftemangel. Besonders im Maschinenbau oder Verlagswesen verändern sich die Tätigkeiten und damit die Anforderungen an Beschäftigte rasant, weshalb diese oft einem ganz besonderen Druck unterliegen, ihr Personal weiterzubilden.

Dies unterstützt das sogenannte Qualifizierungsgeld und fördert die Qualifizierung auch in kleinen und mittelgroßen Betrieben. So können sich diese für die Zukunft und Krisen sicher aufstellen. Damit Arbeitgebende dabei keine finanziellen Verluste erleiden, werden sie ebenso wie die Arbeitnehmenden vom Staat finanziell unterstützt. Dies ermöglicht eine Freistellung der Beschäftigten in Form einer Bildungsteilzeit oder Bildungszeit.

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Das bedeutet die Weiterbildungsstrategie für Arbeitssuchende

Arbeitssuchende profitieren ebenfalls von den geplanten Neuerungen. Im Fokus liegen dabei Langzeitarbeitslose und ungelernte Beschäftigte. Mittels Teilqualifizierungen sollen sie praktisches und arbeitsplatzbezogenes Wissen erlernen, das ihre Aufstiegschancen langfristig steigert.

Dabei kommt der digitalen Weiterbildung ein besonderer Stellenwert zu, denn diese erleichtern das Erlangen von Zertifikaten und Microcredentials, wodurch Lernende ihren Lebenslauf stark aufwerten können. Dabei soll auch der Zugang zu Förderprogrammen und Bildungsangeboten verbessert werden.

Die Berufsbildung soll einerseits modernisiert werden sowie durch innovative Qualifizierungskonzepte auch Arbeitssuchende besser erreichen.

Online-Weiterbildungsplattform Now angekündigt

Sie ist für das Jahr 2024 angekündigt und ein Kernstück der Weiterbildungsstrategie. Die Nationale Online-Weiterbildungsplattform Now ist ein Projekt der Bundesagentur für Arbeit (BA) und wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

Now soll eine umfangreiche Weiterbildungsdatenbank werden, die einen vereinfachten Zugang und Möglichkeiten zum eigenständigen Informieren für alle bietet. Die Kosten für das Projekt werden auf 65 Millionen Euro geschätzt.

Die Online-Weiterbildungsplattform soll diverse Schnittstellen zu Länderdatenbanken mit unterschiedlichen Weiterbildungsmöglichkeiten bieten und mit New Plan ebenfalls ein Online-Erkundungstool zur Berufsfindung bieten, um das Weiterbildungsangebot transparenter zu machen. Zudem ist auch ein Anschluss an die Nationale Bildungsplattform vorgesehen. Diese wird allerdings voraussichtlich erst 2025 zur Verfügung stehen.

Persönliches Fazit aus Sicht eines Weiterbildungsanbieters

Als Weiterbildungsanbieter sehen wir diesen Entwicklungen sehr positiv entgegen. Besonders die Einführung der Nationalen Weiterbildungsplattform Now ist ein zukunftsweisendes Projekt. Wir arbeiten seit mehreren Monaten an der Toolbox Datenkompetenz, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Hier sehen wir vielversprechende Integrationsmöglichkeiten.

Darüber hinaus freut es uns, dass der Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten erleichtert werden soll. Dieses Vorhaben finden wir sehr unterstützenswert in einer sich immer schneller verändernden Arbeitswelt, die lebenslanges Lernen erforderlich macht. Derzeit schrecken noch immer viele Unternehmen und Privatpersonen vor dem bürokratischen Aufwand zurück, der mit Bildungsförderung einhergeht.

Der „Weiterbildungsbooster“, wie Arbeitsminister Hubertus Heil das Qualifizierungsgeld und die Bildungs(teil)zeit bezeichnete, erinnert an die österreichische Bildungskarenz. Wir sehen jedoch sehr positiv, dass besonders diejenigen im Fokus zu stehen scheinen, die bereit sind, die digitale Transformation anzunehmen und umzusetzen. Es wird dennoch abzuwarten sein, wie sich der „Weiterbildungsbooster“ in der Praxis gestaltet.

Wir blicken gespannt auf einen entsprechenden Gesetzesentwurf und eine Umsetzung dessen im kommenden Jahr sowie die erste Nationale Weiterbildungskonferenz 2023. StackFuel und die Toolbox Datenkompetenz freuen uns auf eine Teilnahme und diese Entwicklung zu unterstützen.

Mehr zur Toolboxdatenkompetenz gibt es in unserem Blogartikel: Deutsche Datenkompetenz: Die Aufholjagd hat begonnen.

Banner für StackFuels Social Media Kanäle im Artikel "Qualifizierungsgeld".

Quellen

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2022): „Weiterbildung mit Strategie“ [28.09.2022]

Tagesspiegel Background (2022): „Weiterbildungsstrategie: Die Pläne der Bundesregierung“ [28.09.2022]

Europäische Kommission (2022): „EU-Kommission gibt Startschuss für das Europäische Jahr der Kompetenzen 2023“ [18.10.2022]

Arbeitskammer: „Bildungskarenz“ [18.10.2022]

Handelsblatt (2022): „Geförderte Bildungszeit soll Beschäftigten im Wandel helfen“ [28.09.2022]

Bitkom Research (2019): “New Work: Was Arbeitnehmer vom Chef erwarten“ [21.09.2022]

Leo Marose
Leo Marose
Leo Marose ist seit Mai 2017 CEO und Co-Founder der StackFuel GmbH, die Online-Weiterbildungen und Karrierepfade im Bereich Big Data, Data Science, Data Analytics und künstliche Intelligenz anbietet. Sein Ziel ist die digitale Revolution des EdTech-Bereichs und mit ihr Datenkompetenzen allen Menschen zugänglich zu machen. Leo Marose setzt sich darüber hinaus dafür ein die Gender Data Gap zu schließen und mehr Diversität in die Datenbranche zu bringen. Um dies zu erreichen, hat er mit StackFuel im Juni 2021 das Women in Data-Stipendium und 2022 ein Stipendium für ukrainische Kriegsgeflüchtete geschaffen und im Dezember 2021 die erste Online-Konferenz zum Thema Bildung von gesamtgesellschaftlicher Datenkompetenz, den Data Literacy Day ins Leben gerufen. StackFuel wurde für seine innovative Lernplattform bereits mehrfach ausgezeichnet und gilt als Marktführer im Bereich der deutschsprachigen Weiterbildungen in Datenkompetenzen.

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